Heimatverein ratzenried

Schloss Ratzenried

Schloss Ratzenried

Geschichte des Schlosses von Ratzenried

Der Bau des "Unteren Schlosses" erfolgte zwischen 1498 und 1502 durch Jacob Humpiß von Ratzenried an der Stelle des Maierhofes von Wetzelsried.

Jacob Humpiß konnte sich nicht lange an seinem neuen Schloss freuen, denn er starb noch im Jahr der Fertigstellung. Sein Sohn Sebastian wurde vom Onkel im Oberen Schloss in Obhut genommen, bis er volljährig war.

Im Bauernkrieg (1525) wurde das Schloß geplündert. Die Söhne von Sebastian, Reinhard und Hans Jacob, teilten 1558 ihre Herrschaftshälfte noch einmal in 2 Hälften. Da Reinhard v. Ratzenried aber kinderlos starb, wurden die beiden Hälften wieder vereinigt. Ab 1605 regierte hier nun Jos Ludwig von Ratzenried, der auch den Titel "kaiserlicher Kammerherr" trug und Kammerpräsident des Fürstbischofs von Konstanz sowie dessen Obervogt in Meersburg war.

1632 eroberten und zerstörten die Schweden das Schloss zusammen mit dem Dorf und dem Oberen Schloss. Nach dem Aussterben der Oberschlosslinie wurde das Untere Schloss als Hauptsitz der Ratzenrieder Herren bis 1680 wieder aufgebaut, wobei Steine des Oberen Schlosses Verwendung fanden. Ab jetzt hieß das Dorf Wetzelsried Ratzenried.

1746 bis 1748 erstellte Baumeister J. G. Specht von Lindenberg den Nordflügel des Schlosses samt Nord-Türmchen und stuckierte die Decken. Gleichzeitig erhielt das Gebäude barocke Türen und Treppen.

1813 starb der letzte Freiherr von Ratzenried aus dem Geschlecht der Humpiss. Da er keine Kinder hatte, ging der Besitz an den Grafen Paul Joseph v. Beroldingen über, dessen Tante schon mit einem Ratzenrieder Freiherrn verheiratet gewesen war. Der Graf von Beroldingen wohnte aber selten in Ratzenried, denn er war königlich württembergischer Geheimer Rat und Gesandter zu Wien, sowie Kammerherr und Oberhofmeister der Königin von Württemberg. Ein Vogt verwaltete in dieser Zeit den Ratzenrieder Besitz.

Erst seit 1840 wohnten die Grafen von Beroldingen mehr und mehr in Ratzenried.

Um 1845 wurde das Schloß - der Mode der Zeit folgend - im mittelalterlichen Stil renoviert, der Hauptturm und andere Bauteile erhielten Zinnen. Gleichzeitig entstand westlich des Schlosses ein Park mit Springbrunnen.

Gemälde - Schloss Ratzenried

Ölgemälde von Schloss Ratzenried

1902 heiratete die Gräfin Maria Immaculata von Beroldingen den Grafen Anton v. Waldburg-Zeil, und so kam das Schloss an diese Familie. Bald nach der Hochzeit (1904) ließ das Hochzeitspaar im neogotischen Stil einen Speisesaal erbauen, und die Schwester der Gräfin, Maria von Beroldingen, die eine namhafte Künstlerin war und im Nachbarhaus (Neubau) wohnte, verschönerte das Schloss durch Malereien, Schnitzereien und Jugendstilverglasungen, die heute noch zu sehen sind.

Am Ende des 2. Weltkrieges - im April 1945 - rückten die Franzosen ins Allgäu ein und besetzten am 29. April auch Ratzenried. Die 202. Compagnie Normandie nahm das Schloss in Besitz und richtete im barocken Anbau eine Offiziersmesse ein.

Zwischen 1902 und 1949 war das Schloß im Besitz der Familie Waldburg-Zeil.

1948 starb Graf Anton. Da der einzige Sohn, Franz Georg, Jesuit geworden war, verschenkte er das Schloss an den Borromäer-Orden, der hier ein Kindererholungsheim einrichtete. In Erinnerung an den Grafen wurde das Schloss "Antonius-Heim" getauft. Dieses Kindererholungsheim schloss 1973 die Tore.

1974 kaufte Norbert Güthling das Schloß, um es ab 1977 dem "Humboldt-Institut e.V." als Sitz einer Schule für Deutsch als Fremdsprache zu überlassen. Seither kommen Schüler aus aller Welt nach Ratzenried, um hier Deutsch zu lernen.

Nach der vorbildlichen Restaurierung durch Norbert Güthling verleiht das Schloß heute dem Dorfbild einen besonders malerischen Aspekt.

Über dem Hauptportal zeugen drei Wappen von der wechselvollen Geschichte des Schlosses: die Wappen der Familien Humpiss-Ratzenried (1680), der Beroldingen und der Familie Güthling (1981).

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